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Insider, Fahrer, Unternehmer - 5 Min. Lesezeit

Bußgeldkatalog (2): Das kostet zu wenig Abstand mit dem LKW

Verfasst von Julia Richter am 12.12.2019
Julia Richter

Einige km/h zu schnell, dem Vordermann zu dicht aufgefahren oder den LKW unerlaubt abgestellt. Verstöße mit dem LKW können schnell teuer werden. Besonders Sicherheitsvergehen werden streng geahndet.

Dass zu schnelles Fahren und unerlaubtes Überholen mit LKW ich nicht lohnen, haben wir im ersten Teil zu den wichtigsten Bußgeld-Regeln schon gelernt. Denn bringt ein LKW-Fahrer sich und andere durch sein Fehlverhalten im Straßenverkehr in Gefahr, kennt der Gesetzgeber kein Pardon und den Fahrer erwarten saftige Bußgelder. Kein Wunder also, dass auch die Bußgelder bei besonders sicherheitsrelevanten Themen wie Abstand, Ladung und Lenkzeiten schnell dreistellig werden.

Abstand halten 

80 Euro Strafe für Drängler

Der Vordermann fährt zu langsam, Überholen ist verboten oder gerade nicht möglich – doch jede Bremsung kostet Zeit und Sprit. Also lieber das Tempo nicht unnötig drosseln und dem Vordermann etwas dichter auffahren? Besser nicht! Wer den gesetzlichen Mindestabstand nicht einhält, riskiert gefährliche Auffahrunfälle – und zahlt, wenn er erwischt wird, ein Bußgeld.

Denn der Abstand zwischen zu einem vorausfahrenden Fahrzeug muss in der Regel so groß sein, dass auch dann hinter diesem gestoppt werden kann, wenn der Vordermann plötzlich bremst. So schreibt es die Straßenverkehrsordnung (StVO) für LKW, PKW und alle weiteren Kraftfahrzeuge aus Sicherheitsgründen vor.

Für LKW wurde dieser Mindestabstand auf 50 Meter festgelegt. Das heißt, ab einer Geschwindigkeit von 50 km/h muss ein LKW mindestens 50 Meter Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug halten. Als Orientierungshilfe können LKW-Fahrern hier die weiß-schwarzen Leitpfosten am Straßenrand dienen – diese sind immer genau in einem Abstand von 50 Metern aufgestellt.

Wer den geforderten Mindestabstand nicht einhält, wird zur Kasse gebeten. 80 Euro kostet ein Abstandsverstoß den LKW-Fahrer. Hat er auf seinem LKW gefährliche Güter geladen, erhöht sich das Bußgeld auf 120 Euro.

Übrigens: Wer dauerhaft und wiederholt drängelt und dazu womöglich noch von Hupe oder Lichthupe Gebrauch macht, dem droht außerdem eine Anzeige wegen Nötigung. Also, besser Tempo runter und in Geduld üben.

Bußgeld Abstand, Foto: AdobeStock_42787836_1900

 

Zu wenig Abstand zwischen zwei Fahrzeugen kann fatale Folgen haben

 

Ladung Sichern

Schlechte Sicherung lässt den LKW schwanken

Wenn ein LKW zu schwer beladen ist, kann das fatale Folgen haben. Neben einer möglichen Beschädigung der Straßen durch zu viel Gewicht, kann die Verkehrssicherheit durch Überladung gefährdet werden.

Auch ungleich verteiltes Gewicht, mangelhaft oder nicht gesicherte Ladung kann ein Schlingern oder sogar Kippen des Fahrzeugs verursachen. Bei einer Bremsung können schlecht gesicherte Güter zudem bis in den Fahrzeuginnenraum geschleudert werden und auch den Fahrer lebensgefährlich verletzen.

Überladung und Fehlbeladung sowie Ladungssicherung sind daher mit hohen Strafen belegt. Laut StVO gilt: „Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können“ (§22 Abs. 1). Mangelnde Ladungssicherung kann – je nach (möglicher) Folge – zwischen 20 und 260 Euro kosten.

Fahrer und Halter drohen Punkte

Da der LKW-Fahrer in aller Regel nicht allein für die richtige Sicherung und Ladung der Güter verantwortlich ist, treffen die Bußgelder im Falle eines Verstoßes neben dem Fahrer meist auch Verlader und Halter des LKW. Hierbei wird angenommen, dass der Halter eine Überladung des LKW in Kauf nimmt, um mehr Güter auf einmal transportieren zu können. Somit wir auch er zur Kasse gebeten.

Wird festgestellt, dass ein LKW mit zu viel Ladung, sprich zu viel Gewicht, unterwegs ist, wird ein Fahrverbot ausgesprochen, das so lange gilt bis die Ladung ausreichend reduziert ist. Der LKW-Fahrer muss also einen Teil seiner Ladung ab- bzw. auf ein anderes Fahrzeug umladen.

Hinzu kommt ein Bußgeld. Schon ab zwei Prozent zu viel Ladung kostet das den Fahrer 30, den Halter 35 Euro bis hin zu 380 Euro für den Fahrer und 425 Euro für den Halter bei mehr als 25 Prozent Überladung. Ab fünf Prozent Überladung gibt es zusätzlich jeweils einen Punkt in Flensburg.

Lenk- und Ruhezeiten

Zu wenig Pausen kosten die Sicherheit – und Bares

Bußgeld Ruhezeit LKW, Foto: AdobeStock_279001507_1900

 

Die Einhaltung von regelmäßigen Ruhezeiten ist für jeden LKW-Fahrer Pflicht

 

Die gesetzlich vorgeschriebenen Lenk- und Ruhezeiten dienen dem Schutz des Fahrpersonals und sollen das Unfallrisiko im Straßenverkehr verringern. Denn die Nichteinhaltung von Pausen, den sogenannten Lenkzeitunterbrechungen, und Ruhezeiten führen zur Übermüdung der Berufskraftfahrer.

Müdigkeit führt zu Unkonzentriertheit und zu Unfällen. Immer wieder fahren LKW etwa auf Stauenden auf, weil müde Fahrer die Bremslichter des Vordermanns zu spät gesehen haben.

Um diesem Risiko entgegenzuwirken, muss, wer zu lange und zu viel hinter dem Steuer sitzt, mit ordentlichen Geldstrafen rechnen. Neben dem LKW-Fahrer wird bei Lenkzeitverstößen in der Regel auch der Chef des Unternehmens zur Kasse gebeten – denn Wettbewerb und Termindruck sind hoch, sodass immer wieder Verstöße billigend in Kauf genommen oder gar von schwarzen Schafen der Transportbranche von den Fahrern verlangt werden.

Auf den Fahrer kommen je nach Unterschreitung der Ruhe- bzw. Überschreitung der Lenkzeit zwischen 30 und 60 Euro je angefangene Stunde zu, der Fahrzeughalter zahlt zwischen 90 und 180 Euro je Verstoß.

Und aufgepasst: Per Auslesung der Daten auf der Fahrerkarte können Polizei und Kontrollbehörden auch längst vergangene Verstöße ahnden – so wird „ein bisschen länger fahren“ schnell ganz schön teuer. Also besser immer vollständig ausgeruht und nicht länger als erlaubt fahren.

Übrigens: Falls es mal wieder zeitlich eng wird mit der Parkplatzsuche, hilft unsere App.

Fahren ohne Fahrerkarte – besser nicht!

Nicht nur bei nachweislichen Lenkzeitverstößen muss der Kraftfahrer mit Bußgeldern rechnen. Auch wenn die Überprüfung der Lenk- und Ruhzeiten erschwert oder verhindert wird, weil die Fahrerkarte teilweise oder gar nicht eingelegt wurde, werden LKW-Fahrer zur Kasse gebeten. Fahren ohne eingelegte Fahrerkarte kann ein Bußgeld zwischen 50 und 250 Euro nach sich ziehen. Ist ein LKW-Fahrer vorsätzlich ohne Fahrerkarte unterwegs gewesen, kann das Bußgeld sogar verdoppelt werden.

Fahrerkarte LKW, Foto: AdobeStock_232460196_1900

 

Wer vor der Fahrt die Fahrerkarte nicht einlegt, muss bei einer Kontrolle zahlen

 

Sowohl der Fahrer als auch sein Chef sind dazu verpflichtet, eine korrekte Nutzung und Funktion des digitalen Kontrollgeräts und der Karte zu gewährleisten. Daher kommt auch auf den Arbeitgeber eines Fahrers, der ohne Fahrerkarte fährt, ein Bußgeld von 750 Euro zu.

Und aufgepasst: die Bußgelder für den Fahrer und den Unternehmer sind dabei je 24-Stunden-Zeitraum zu zahlen, in dem die Karte nicht (korrekt) im Kontrollgerät gesteckt hat. So können sich die Bußgelder bei wiederholtem Fahren ohne Fahrerkarte schnell vervielfachen.

Fahrverbote gelten für Fahrer und Chef

Teuer wird es für Fahrer und Chef auch, wenn ein LKW-Fahrer zu unerlaubten Zeiten auf der Straße ist. Verstößt er gegen gesetzliche Fahrverbote für LKW über 7,5 Tonnen oder mit Anhänger/Auflieger und fährt ohne Ausnahmegenehmigung an einem Sonn- oder Feiertag oder während eines geltenden Ferien- oder Nachtfahrverbots, kostet das den LKW-Fahrer 120 Euro. Wurde das unerlaubte Fahren vom Fahrzeughalter, also seinem Chef des, zugelassen oder gar angeordnet, muss dieser dafür 570 Euro Strafe zahlen.

Fazit zum Bussgeldkatalog für lkw

Verkehrssünden sind teuer und riskant

Ob Rasen, Drängeln, gewagte Überholmanöver oder Fahren zu Verbotszeiten – nur selten lohnen sich solche Verstöße. Denn die geringe Zeit- und Kostenersparnis ist schnell dahin, wenn man bei seinen Vergehen erwischt wird und hohe Strafen zahlen muss – von möglichen Unfallfolgen ganz abgesehen.