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Fahrer, Unternehmer - 6 Min. Lesezeit

Gefahrgut: Unterwegs mit hochsensibler Fracht

Verfasst von York Schaefer am 21.01.2021
York Schaefer

Wenn man sich von dem Nienburger Spediteur Franz Fischer erklären lässt, was in den Fahrzeugen seines Unternehmens alles transportiert wird, kann einem schon ein wenig mulmig werden. Wie das Unternehmen auch gefährliche Transporte meistert.

Ein Job mit Verantwortung

Fischer, 49 Jahre alt, sitzt in kariertem Hemd, Jeans und blauem Jackett in seinem gefliesten Büro, umgeben von üppigen Grünpflanzen neben einem Vintage-Kühlschrank, und zählt die Gefahrenstoffe auf: brennbares Ethanol – ein Alkohol, der zum Beispiel in Rasierwasser oder Haarspray verwendet wird – sowie ebenfalls brennbare Ethylacetate, wie sie in Lacken und Farben vorkommen. Dazu selbstentzündliche Güter wie Streichhölzer, giftiges Chloroform und ätzende, rot rauchende Schwefelsäure. Eine beeindruckende Liste hochsensibler Substanzen quer durch die verschiedenen Gefahrgutklassen 3 bis 6 sowie 8 und 9.

„Für uns als Firma und natürlich für unsere Fahrer ist das schon ein Job mit viel Verantwortung“, betont Franz Fischer, der zum Thema Transportsicherheit naturgemäß einiges zu sagen hat. Die Handlungsmaxime „Safety first“ steht in dem 1948 von Fischers Großvater gegründeten Unternehmen mit insgesamt 185 Mitarbeitern an oberster Stelle.

Im Gespräch wird schnell deutlich, über welchen Schatz an Erfahrung und Fachwissen die Gefahrgutspedition aus dem Mittelwesergebiet zwischen Hannover und Bremen verfügt, deren Transporte zu 85 Prozent Tankwagenverkehre sind. 110 Zugmaschinen hat die Firma, dazu kommen 150 Auflieger von Spezialfirmen wie Feldbinder aus Winsen an der Luhe in Niedersachsen und Gofa aus Goch in Nordrhein-Westfalen. 

Maximum an Sicherheitstechnik

„Wir müssen diesen Anspruch an die Transportsicherheit haben; schon allein, um überhaupt die Ladung zu bekommen“, weiß der Unternehmer aus langjähriger Erfahrung mit seinen Kunden, die vorwiegend aus der chemischen Industrie im Südwesten Deutschlands und der Schweiz stammen. „Wenn ein Fahrzeug an die Verladestelle des Kunden kommt, muss es zu 100 Prozent in Ordnung sein“, macht Fischer klar.

Denn wird es aufgrund von Sicherheitsmängeln abgewiesen, bedeutet das nicht nur einen Image- und Zeitverlust für die Spedition, sondern auch finanzielle Einbußen. Gleiches gilt, wenn ein Lkw selbstverschuldet mit Gefahrgut auf dem Seitenstreifen stehen bleibt oder gar in einen Unfall verwickelt wird.

Toi, toi, toi – wir haben sehr wenige Unfälle“, sagt Franz Fischer und klopft auf den ovalen Holztisch in seinem Büro. Als wichtigste Gründe für die niedrige Quote nennt der gebürtige Nienburger die hauseigene Fahrerschule sowie die auf dem Markt verfügbaren Assistenzsysteme für die 130 Trucker des Unternehmens. „Wir statten unsere Fahrzeuge mit dem Maximum an Sicherheit aus, das geht auch mal über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Alle Assistenzsysteme, die lieferbar sind, sind in unseren Fahrzeugen verbaut: der Abstandsregeltempomat, der Spurassistent und zum Beispiel auch der Abbiegeassistent, obwohl er noch keine Pflichtausstattung ist“, berichtet der Spediteur.

Sicherheitsschulungen für Fahrer

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Auch die Filter der Atemschutzmasken müssen regelmäßig überprüft werden.

Prokurist Matthias Hausotter erwähnt zudem den Notbremsassistenten: „Laut gesetzlicher Vorgabe wird dabei das Tempo vor einem Stauende um 20 Stundenkilometer gedrosselt. Unser System dagegen bremst komplett runter“, erklärt er. Bei diesen hohen Sicherheitsstandards ist es fast selbstverständlich, dass die Spedition schon seit Jahren ausschließlich Fahrzeugeinheiten mit Scheibenbremsen und Retarder, der verschleißfreien Getriebebremse, einsetzt. 

Ein wichtiger Baustein im Sicherheitskonzept der Nienburger Spedition ist das regelmäßige Fahrertraining. Dafür wurde bereits 2009 die hauseigene Franz Fischer Fahrschul-Fortbildungs GmbH gegründet. Mitgesellschafter und zugleich einziger Beschäftigter ist Fahrlehrer Wolfgang Netzow. 

besonders gründliche Abfahrtskontrollen 

Auf dem Gelände der Spedition mit einer Fläche von 60.000 Quadratmetern und zwei großen Lagerhallen zeigen Netzow und Fahrer Frank Rudolph, wie so eine Sicherheitsschulung, in diesem Fall eine Abfahrtskontrolle, konkret aussieht. Die beiden stehen an einem Mercedes-Actros-Tankwagen, der rund um die Uhr zwischen Bitterfeld in Sachsen-Anhalt und Bomlitz bei Walsrode mit Methylzellulose vornehmlich für die Bauindustrie unterwegs ist.

Wolfgang Netzow lässt sich von Frank Rudolph noch einmal alle Kontrollschritte für die Fahrzeugsicherheit zeigen: vom Reifencheck – vorgeschriebene Profiltiefe: 1,6 Millimeter – über die Festigkeit der Radmuttern bis zum Ablaufdatum des Feuerlöschers. „Diese Prüfungen müssen die Fahrer vor Antritt jeder Fahrt durchführen“, erklärt Netzow, der die Mitarbeiter in den Trucks auch regelmäßig einen Tag lang bis zu den Kunden begleitet. 

„Die Reifen zum Beispiel müssen nicht nur oben, sondern auch an der Seite geprüft werden, und die Fahrer sollen auch nachschauen, ob etwas zwischen den Rillen steckt“, erklärt Netzow die detaillierten Checks. Beim Thema Sicherheit kann jede Kleinigkeit von Bedeutung sein. „Die Fahrzeuge können auch wegen geringer Sicherheitsmängel abgewiesen werden, etwa wegen abgefahrener Reifen oder kleiner Steinschläge in den Scheiben“, weiß der Fahrlehrer. 

Geeignete Fahrer immer schwerer zu finden

Auch sogenannte BBS-Fahrten (BBS: Behaviour Based Safety), die der Verband der europäischen chemischen Industrie (CEFIC) vorschreibt, absolvieren die Fahrer bei Franz Fischer regelmäßig. „Dabei geht es um ganz konkrete Verhaltensweisen wie ressourcenschonendes Fahren, aber auch darum, wie ich unterwegs einen erholsamen Schlaf bekomme“, erklärt Prokurist Matthias Hausotter.

Hinzu kommen spezielle Schulungen durch die Kundenunternehmen im Umgang mit den jeweiligen Gefahrgütern. „Mit Flüssigkeiten an Bord muss man generell vorausschauender fahren, sonst bekommt man bei einer Bremsung den vollen Schlag ins Kreuz“, berichtet Fahrer Frank Rudolph, der seit sechs Jahren für Fischer arbeitet. 

Wie in vielen Speditionen ist auch bei Franz Fischer der Fahrermangel ein Thema. „Geeignete Fahrer zu finden, wird immer schwerer“, sagt der Firmenchef, der die teilweise schwierigen Bedingungen gerade im Fernverkehr mit den langen Zeiten „on the road“ natürlich kennt. „Viele Fahrer wollen am Wochenende zu Hause bei ihren Familien und Freunden sein“, erklärt der Unternehmer seinen Nachteil gegenüber Firmen, die im Nahverkehr unterwegs sind.

DEn JOb für die Fahrer attraktiver machen

Um die Attraktivität des Jobs als Kraftfahrer zu steigern, müssten natürlich höhere Löhne gezahlt werden, sagt Franz Fischer; er wünscht sich aber auch generell eine höhere Akzeptanz für Berufskraftfahrer. „Wenn jemand abends einen schönen französischen Wein trinkt, sollte er wissen, dass der hier nicht hergeflogen ist“, sagt der Nienburger etwas provokativ.     

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Die App KRAVAG Truck Parking verschafft den Fahrern Zugang zu sicheren Parkplätzen

Es gehe darum, das gesamte Umfeld für die Fahrer zu verbessern, fordert Fischer. Auch vermeintliche Kleinigkeiten wie die Parkplatzsuche seien oft ein Problem. Hier könnte die KRAVAG-Parkplatz-App eine Lösung sein. Die Online-Anwendung soll es den Fahrern erleichtern, stressfrei Parkplätze zu finden, um dann ausgeruht und sicher mit ihrer hochsensiblen Ladung weiterfahren zu können. 

Sichere Parkplätze mit KRAVAG Truck Parking

Denn auch die Fahrer der Spedition Franz Fischer kennen die Situation besser, als ihnen lieb ist: Rasthöfe sind oft so überfüllt, dass sie keinen Parkplatz finden. „Das größte Problem ist das Parken, das Grauen eines jeden Fernfahrers“, sagt Fahrer Rico Höhlig. Mit KRAVAG Truck Parking, entwickelt vom Innovation Lab der R&V-Versicherung, zu der auch KRAVAG gehört, soll sich das ändern. Über eine App können Fahrer oder Disponenten damit Lkw-Parkplätze auf Speditionshöfen der KRAVAG-Gemeinschaft reservieren.

Auch die Spedition Franz Fischer bietet fünf Plätze auf ihrem Gelände an. Über einen QR-Code im Handy bekommen die Fahrer Zutritt, auch zu den Gemeinschafts- und Sanitärräumen. Zudem sind die Fahrzeuge über die KRAVAG versichert. Mit der Anwendung werden Straßen und Parkplätze entlastet, die Zeit für die Parkplatzsuche wird reduziert, und Spediteure, Fahrer und Kunden haben ein geringeres Risiko, weil ihre Lkw auf gesicherten Parkplätzen stehen. Das Angebot soll bald auch für Wedolo-Nutzer verfügbar sein. Weitere Informationen und Teilnahme unter www.kravag-truck-parking.de.