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WEDOLO 

– Echte Lösungen für die Logistik –

Insider, Fahrer, Unternehmer - 4 Min. Lesezeit

Ausbildung: Vom Flüchtling zum LKW-Fahrer

Verfasst von Juliane Gringer am 04.12.2018
Juliane Gringer

Die Holzmindener Fritz Hamann Speditionsgesellschaft überzeugt ihre regionalen Kunden mit
individuellen Transport- und Logistikdienstleistungen. Die Auftragslage ist gut, doch es fehlt
immer mehr an Fahrern. Geschäftsführer Fritz-Gerhard Hamann engagiert sich deshalb stark
für das Thema Ausbildung.

Für den Kunden nicht austauschbar zu sein – dieser Maxime folgt Fritz-Gerhard Hamann stetig. „Unsere Leistungen sollen möglichst einzigartig sein“, erklärt der Geschäftsführer der Fritz Hamann Speditionsgesellschaft GmbH & Co. KG mit Sitz im niedersächsischen Holzminden. „Ich sage meinen Mitarbeitern immer, wir müssen so gut sein, dass der Kunde beim Gedanken an einen Dienstleisterwechsel schlaflose Nächte bekommt.“

Gesamten Logistikprozess begleiten

Das inhabergeführte, mittelständische Logistikunternehmen wurde 1950 von seinen Eltern gegründet. In enger Zusammenarbeit mit den Kunden wurden dann Ende der 80er-Jahre neue Bausteine an Logistikdiensten entwickelt. So hat sich die Spedition vom klassischen Transport- und Speditionsbetrieb zu einem modernen, expandierenden Logistikdienstleister mit heute etwa 80 Mitarbeitern gewandelt. Hamann übernimmt für seine Kunden auch diverse Funktionsbereiche wie die Auftragsbearbeitung in der Beschaffungs-, Werk-/Produktions- und Distributionslogistik.

Neben den primären Logistikdienstleistungen wie Transport und Lagerung bietet die Spedition zahlreiche zusätzliche Services und Leistungen an, beispielsweise Auftragsbearbeitung, Bestandsmanagement und Retourenabwicklung, des Weiteren Beratung, Logistik- und Qualitätsmanagement. „Wir begleiten den gesamten Logistikprozess“, fasst Fritz-Gerhard Hamann zusammen. „Die Prozesse haben sich im Laufe der Jahre sehr stark auf die Kunden ausgerichtet.“

Hohe kundenspezifische Anforderungen

Die Spedition ist tief in der Region um Holzminden verwurzelt. Die Lkw aus dem firmeneigenen Fuhrpark, der 30 Sattel- und Wechselbrückenfahrzeuge umfasst, sind jeweils ungefähr zur Hälfte regional und im Fernverkehr deutschlandweit unterwegs. Zudem unterhält Hamann eigene Lager: 5000 Quadratmeter eigene und 10.000 Quadratmeter externe Lagerkapazitäten.

Mit einzigartigen Leistungen hat Hamann beispielsweise Stiebel Eltron überzeugt. Bei dem Hersteller von Elektro-, Warmwasser- und Heizgeräten sowie Systemen zur Nutzung regenerativer Energien gibt es im Warenausgang im Wochenverlauf große Schwankungen. Die Kunden aus dem Elektro-Großhandel können täglich bis 13.00 Uhr bestellen – und ab 15.00 Uhr müssen die Produkte schon verladen werden und auf die Straße gehen. Zudem bringt Hamann jeden Tag 25 Wärmepumpen-Anlagen von Stiebel Eltron zu Baustellen deutschlandweit; jede Anlieferung muss am Vortag mit den Monteuren vor Ort individuell terminlich abgestimmt werden.

Dienstleistungen auf Kunden abgestimmt

Darüber hinaus führt die Spedition alle werksinternen Transporte zwischen den Produktionsbetrieben von Stiebel Eltron und dem Logistikzentrum des Unternehmens durch und leitet ein Versandlager für Halbfertigwaren für die auswärtigen Produktionsbetriebe. „In all diesen Punkten gehen wir sehr stark auf die kundenspezifischen Anforderungen ein – das ist in dieser Region so am Markt sonst nicht zu haben“, erklärt Fritz-Gerhard Hamann.

Ganz individuellen Service leistet Hamann auch beim Kunden Symrise – einem Anbieter von Duft- und Geschmackstoffen, kosmetischen Grund- und Wirkstoffen sowie funktionalen Inhaltsstoffen. Hier organisiert Hamann die Transporte und Lagerung im Wareneingang der Verpackungsmaterialien. Die Hamann Kontrakt Logistik betreibt das Rohwarenlager für die Symrise-Werke in Holzminden. Die Produktionsbetriebe werden täglich mit 30 Wechselbrücken beliefert.

Symrise stellt besonders hohe Anforderungen an Hygiene und Sicherheit in den Prozessen – und fordert auch eine große Flexibilität im Tagesgeschäft. Hamann setzt hier unter anderem auf den Einsatz von etwa 240 eigenen Wechselbrücken.

Der Chef ist jederzeit ansprechbar

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Fritz-Gerhard Hamanns Tür steht für seine Mitarbeiter jederzeit offen

Das Büro von Fritz-Gerhard Hamann ist rundum verglast – auch ein Signal an seine Mitarbeiter: Er ist fast immer ansprechbar. Vom Disponenten bis zum Lehrling können alle mit ihren Anliegen zu ihm kommen. „Hier ist jeder Tag anders und dicht gepackt.“ Die Liste mit anstehenden Aufgaben ist immer lang: Heute kann es sein, dass Ware umgelagert werden muss, morgen gibt es Schäden an einem Regal, eine Inventur steht an, oder Verpackungsmaterial muss entsorgt werden.

„Ich muss Kundenanforderungen, Aufträge und Verkehre schnell, zuverlässig und individuell organisieren, denn wir werden permanent mit neuen Fragen und Wünschen konfrontiert. Aber gerade das macht ja auch Spaß.“ Die großen Entscheidungsspielräume, die seine unternehmerische Arbeit ihm bietet, sind für Fritz-Gerhard Hamann ein starker Antrieb. „Besonders toll ist es, wenn wir Kunden mit unseren Ideen überzeugen und ihnen damit weiterhelfen können. Da wir intensive Einblicke in die Unternehmen haben, können wir oft Input geben. So haben wir beispielsweise ein Ladungssicherungssystem mitentwickelt, das viele Schäden vermeiden kann.“ 

Ausbilden gegen den Fachkräftemangel

Die Hamann Spedition könnte noch wesentlich mehr Aufträge übernehmen. Doch dazu braucht man immer die entsprechenden Kapazitäten. Es fehlt das Personal, vor allem Fahrer: „Es fällt uns genauso schwer wie vielen anderen, sie zu finden und dauerhaft zu binden.“ Hamann engagiert sich seit vielen Jahren sehr stark für das Thema Ausbildung. Das Unternehmen beschäftigt 36 Kraftfahrer; 14 davon sind dort ausgebildet worden.

Auch in der Verwaltung sind drei Viertel der Mitarbeiter im eigenen Betrieb ausgebildet worden. Gegenwärtig durchlaufen 15 junge Männer die Ausbildung zum Berufskraftfahrer, drei von ihnen sind Asylbewerber aus Afghanistan, Guinea und dem Kosovo. Weitere drei Auszubildende betreut die Spedition Hamann im Bereich Lagerlogistik, und zwei werden Kaufmann für Speditions- und Logistikdienstleistungen. Insgesamt 20 Lehrlinge also – Fritz-Gerhard Hamann spricht scherzhaft von einem „Ausbildungsbetrieb mit angehängter Spedition“. Ausbildende Betriebe werden zwar öffentlich gefördert, doch die Lehre erfordert auch intensives Engagement. 

Jugendlichen eine Entwicklungsperspektive geben

Der Unternehmer schaut bei Bewerbern immer hinter die Noten auf den Zeugnissen. „Es gibt viele Jugendliche, die in der Schule keine guten Leistungen gezeigt haben, aber in der praktischen Ausbildung dann aufblühen“, so Hamann. „Sie nehmen oft eine sehr positive Entwicklung, wenn man ihnen eine Chance gibt.“ Er gewährt ihnen diese Chance, weil es ihm Freude macht, jungen Menschen eine Perspektive zu bieten – gerade jenen mit vermeintlich schlechten Voraussetzungen.

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Die Spedition Hamann bildet ihren Nachwuchs selbst aus

Doch auch wenn man intensiv ausbildet, ist das leider keine Garantie, dass die Fahrer bleiben. „Es ist auch für uns zunehmend schwieriger geworden, die Auszubildenden nach dem Abschluss zu halten“, sagt Fritz-Gerhard Hamann. „So holt uns der Fahrermangel trotzdem wieder ein.“ In den Jahren 2015 bis 2017 haben zwölf Lehrlinge ihre Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, doch derzeit ist nur noch einer von ihnen im Unternehmen beschäftigt. Kraftfahrer sind schwer umkämpft; sie werden oftmals von Konkurrenten oder der Industrie abgeworben.

Preise müssen steigende Personalkosten ausgleichen

Fritz-Gerhard Hamann hat auf den starken Engpass reagiert, indem er vor Kurzem erstmals polnische Kraftfahrer eingestellt hat. „Für andere Unternehmen ist das schon selbstverständlich, für uns war es ein ganz neues Thema“, erklärt er. „Der finanzielle Aufwand ist dabei relativ hoch, da wir den Mitarbeitern eine Unterkunft stellen, regelmäßige Fahrten in ihre Heimat bezahlen und zusätzlich einen Polnisch sprechenden Disponenten eingestellt haben.“ Eine Anpassung der Preise sei daher aufgrund der stark steigenden Personal- und Nebenkosten existenziell erforderlich. „Wir spüren hier zum Glück, dass unsere Kunden ein Bewusstsein für das Thema entwickeln.“